Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Dagmar Zoschke zu TOP 17: Crystal Meth-Konsum bekämpfen

Ja, die Droge Crystal Meth ist angekommen und es wird Zeit, dass sich die Landespolitik des Themas annimmt, dafür der Dank an die Koalitionsfraktionen. Aber damit hört das Lob schon auf. Wir sind enttäuscht, dass sich das Ansinnen der Koalition zum Problem Crystal Meth auf  statistische Erhebungen, Beschreibungen des Ist-Zustandes, das Zusammenwirken der Ordnungskräfte und recht offen formulierte Absichtserklärungen beschränkt. Wie die Kolleginnen und Kollegen der Bündnis-Grünen in ihrem Alternativantrag zu Recht anmerken, sind die in Rede stehenden Daten bereits auf Initiative der Opposition sehr umfassend in der Beantwortung von Anfragen erarbeitet worden. Vielleicht wäre es sehr hilfreich gewesen, wenn sie auf unseren Vorschlag eingegangen wären und ihren Antrag zusammen mit den Großen Anfragen meiner Fraktion im Januar beraten hätten.

Unser Anliegen ist es, in Auswertung des umfangreichen Materials Schlüsse für die künftige Drogenpolitik als Ganzes zu ziehen. Natürlich muss aufgrund der erfassten Lage die Droge Crystal Meth eine ganz zentrale Rolle einnehmen. Aus unserer Perspektive sind weder Angst, noch Sensationshascherei und schon gar nicht der laute Ruf nach einer Verschärfung ordnungspolitischer Hebel  sinnvoll. Die Erfahrung lehrt uns, wie begrenzt und teils sogar kontraproduktiv die Wirkung der repressiven Maßnahmen in der Drogenpolitik sind. Diese Erkenntnis stärkt zugleich unser Plädoyer zum Ausbau von Prävention und Therapie. Insofern halten wir den Antrag der Grünen für deutlich zielführender.

Die ambulanten Suchtberatungsstellen und Therapieeinrichtungen in diesem Land legen uns Zahlen über sehr drastische Steigerungen des Crystal Meth-Konsums vor. Das spiegelt sich ja auch in der Antwort auf unsere Große Anfrage wieder, die wir im Januar ausführlicher besprechen werden.
 
Das Klinikum Magdeburg kommt dabei zu folgende Schlussfolgerungen:

  • Die meisten Patienten kommen nicht von allein, sondern werden in einem sehr schlimmen Zustand eingeliefert.
  • Die Erkrankungen sind vielschichtig, der Behandlungs- und Therapiebedarf ist enorm hoch.
  • Das führt zu Kostensteigerungen im Bereich Personal, Diagnosen, Medikamente, Zahnarztarztbehandlungen, der gedeckt werden muss.
  • Darüber hinaus weisen sie eindringlich auf Fortbildungsbedarfe hin, die derzeit unzureichend angeboten werden können.

Unisono betonen alle in diesen Prozess Involvierten, Crystal Meth ist kein medizinisches oder soziales Problem, es ist ein gesamtgesellschaftliches und muss auch so angegangen werden.

Was führt  Menschen dazu, sich auf diese Droge einzulassen? Je nach Reinheitsgrad wird Crystal Meth eine bis zu fünffach stärkere Wirkung als andere Amphetamine nachgesagt. Mit Crystal kann man noch, wenn andere schon völlig erschöpft sind; mit  Crystal Meth bleibt man schlank, mit Crystal Meth hat man den Durchblick, mit Crystal Meth merkt man nicht, wie „scheiße“ der Alltag manchmal ist, mit Crystal Meth nerven die Eltern nicht, mit Crystal Meth kann man lange am PC konzentriert sein. Mit Crystal Meth ist man lange aktiv und munter, verpasst nichts und ist mit genau jenen Attributen ausgestattet, die als erstrebenswert gelten.
Aber eben nur für eine begrenzte Zeit, dann bricht das ganze Kartenhaus zusammen und die Folgen des Konsums werden offensichtlich. Doch nicht jeder erkennt die Symptome, auch nicht alle Hausärzte.

Worauf muss sich die Politik in ihrem Handeln ausrichten?

  • Prävention muss ein dauerhafter kontinuierlicher Prozess sein, er ist personell und sächlich dementsprechend auszustatten.
  • Die Zusammenarbeit der verschiedenen Professionen vor Ort müssen ermöglicht und mit Suchtpräventionskräften vor Ort unterstützt werden.
  • Die Regelversorgung auf Grund von frühen und lange wirkenden Gesundheitsschäden muss dauerhaft gesichert werden.
  • Es bedarf einer breiten Sensibilisierung der Öffentlichkeit, um Symptome zu erkennen und Hilfeleistungen zu ermöglichen.
  • Wie brauchen zudem besondere Hilfe für junge Mütter und junge Familien.
  • Die Verfügbarkeit von Drogen muss eingeschränkt und Schutzräume für Konsumenten geschaffen werden, um Folgeerkrankungen zu reduzieren.

Dies sind nur einige Aspekte, die vor allem aus dem Bereich der Praxis kommen. Diesem Ansinnen kommt der Antrag der Grünen etwas näher, daher können wir diesem zustimmen. Etwas schade ist hier indes, dass die Idee des Fachgesprächs aus dem Antrag der Regierungsfraktionen nicht aufgegriffen wurde. Allerdings hielten wir es auch für unzureichend, dieses – wie dort festgelegt – ausschließlich mit der Landesstelle für Suchtfragen durchzuführen. Hier wären auch andere Akteure einzubinden, von der Polizei, über weitere Bereiche der Sozialen Arbeit bis zur Schule.

Zum Antrag der CDU und SPD werden wir uns enthalten. Das Problem sehen wir hier unzureichend in Angriff genommen, Ablehnungsgründe enthält der Antrag indes nicht. Ich freue mich auf eine tiefere Erörterung der Thematik im Januar und bedanke mich für ihre Aufmerksamkeit.