Massiver Unterrichtsausfall trotz Vorgriffstunde und überstandener Pandemie
Trotz der zusätzlich von allen Lehrkräften zu erteilenden Vorgriffstunde und dem Abklingen der Nachwehen aus der Corona-Pandemie liegt der Unterrichtsausfall weiterhin auf dem extrem hohen Niveau des Vorjahres und übertrifft es in einigen Schulformen sogar. Das zeigt die Auswertung der Unterrichtsausfallstatistik des Bildungsministeriums, die wie in jedem Jahr durch eine Kleine Anfrage öffentlich gemacht wurde. Danach war an allgemeinbildenden Schulen mehr als jede 9. Stunde (11,38 Prozent des Gesamtbedarfs) von der Abwesenheit der eingeplanten Lehrkraft betroffen. Nur ein Viertel davon konnte durch andere Lehrkräfte vertreten werden (2,94 Prozent des Gesamtbedarfs), die Hälfte dieser Stunden musste inzwischen ersatzlos ausfallen (5,64 Prozent des Gesamtbedarfs) und ein Viertel wurde durch Klassenzusammenlegungen, digitale Aufgaben und sonstige Maßnahmen aufgefangen (2,80 Prozent des Gesamtbedarfs). Der hohe Vertretungsbedarf wird vor allem durch den ständig ansteigenden Krankenstand der Lehrkräfte bestimmt (8,25 Prozent des Gesamtbedarfs). Durch die schrittweise Verjüngung der Kollegien hat aber auch der Ausfall durch Mutterschutz, Elternzeit und Krankheit der Kinder erheblich zugenommen (2,64 Prozent des Gesamtbedarfs). Es gibt zum Teil erhebliche Unterschiede zwischen den Schulformen. Besonders negativ ist die Entwicklung an den Förderschulen. Noch etwas schlechter als an den allgemeinbildenden Schulen ist die Entwicklung von Unterrichtsausfall und Vertretung an den Berufsbildenden Schulen (siehe die Grafiken in der Anlage). Dazu erklärt der Stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher, Thomas Lippmann:
„Wer hoffte, nach den Jahren der Corona-Pandemie würde der Unterrichtsausfall wieder weniger werden, wird durch die Bilanz des letzten Schuljahres enttäuscht. Die zu hohen Belastungen für die Lehrkräfte sorgen auch ohne Pandemie für einen Krankenstand, der besorgniserregend ist. Die Zahlen bestätigen auch die Befürchtungen, dass die Vorgriffstunde am Ende nicht zu einer Verbesserung der Unterrichtssituation führt, sondern von den Lehrkräften in den Krankenstand mitgenommen wird.
Die Schulbehörden und die Schulleitungen müssen für Entlastung in den Kollegien sorgen und sich mehr um die Erhaltung der Gesundheit der Lehrkräfte kümmern. Es rächt sich auf Dauer, wenn beim Einsatz der Lehrkräfte weiter an die Grenzen der Belastbarkeit und darüber hinaus gegangen wird. 6 oder gar 7 Unterrichtsstunden am Tag kann niemand leisten, ohne seine Kräfte zu verschleißen. Und von gutem Unterricht kann dann auch immer weniger die Rede sein.
Die Linke fordert angesichts dieser Fakten zum wiederholten Mal, das gescheiterte Experiment mit der Vorgriffstunde zu beenden. Es wird sich zeigen, dass weniger Belastung letztlich weniger Ausfall und mehr und besseren Unterricht bedeutet. Lehrkräfte sind auch nur Menschen, die im Interesse ihrer Schülerinnen und Schüler zwar mit viel Engagement arbeiten, aber eben keine Wunder vollbringen können. Es ist nicht möglich, bei steigenden Schülerzahlen und sinkendem Personalbestand das Unterrichtsangebot zu erhalten – auch wenn sich das viele wohl so wünschen.“
Magdeburg, 08. August 2024
Anlagen: Grafiken zur Pressemitteilung, Antwort der Kleinen Anfrage, Anlage 1, Anlage 2, Anlage 3
